Warum und wie es zu einer Affäre kommt, ist eine der häufigsten Fragen in der Paartherapie.
In diesem Beitrag (und 2 Weiteren) erfahren Sie den aktuellen Stand der Wissenschaft zu Affären.
Sie lernen was Sie tun können, sollte Ihre Beziehung unter einer Affäre leiden und, wie Sie Affären von vornherein vermeiden können.
Untreue, Fremdgehen oder Seitensprung, ganz gleich wie Sie es nennen, Affären wirken oft wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
In der Praxis zeigt sich jedoch: Meist entsteht eine Affäre aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren – und zwar ohne, dass irgendjemand „Schuld bekommt“. Verantwortung bleibt Verantwortung. Gleichzeitig hilft Verstehen dabei, das Muster zu stoppen und künftig Grenzen besser zu schützen.
Damit es Ihnen einfacher fällt die Dynamiken, die hinter Affären (Untreue, Seitensprüngen oder Fremdgehen) stehen, zu verstehen, habe ich diese in 3 Ebenen zusammengefasst:
Ebene 1: Dynamiken in der Beziehung – wenn Nähe nicht mehr selbstverständlich ist
Aus der Forschung von Dr. John Gottman heraus ist eine Affäre häufig kein „Beziehungsproblem“, sondern als eine massive Bindungs- und Vertrauensverletzung zu werten. Trotzdem haben Affären sie oft einen gemeinsamen Nährboden: Zu wenig emotionale Verbundenheit, zu wenig positive Interaktion, zu wenig Reparatur nach Konflikten.
Typische Muster, die oftmals einer Affäre vorausgehen (ohne dabei Affären zu rechtfertigen):
- Sie wenden sich häufiger ab (Turning away) und/oder werten die Gefühlswelt Ihres Partners bzw. Partnerin öfter ab (Turning against), anstatt sich einander zu zuwenden (turning toward): In Ihrer Beziehung werden „Angebote“ (Bids for Connection), miteinander in Kontakt zu gehen um sich und seine emotionale Situation mitzuteilenden entweder zu häufig übersehen, abgelehnt oder sogar abgewertet.
- Sinkende Wertschätzung: Bewunderung und Wertschätzung für die Kleinigkeiten des Alltags wird selten ausgesprochen, Kritik wird häufiger und zunehmend lauter.
- Chronischer Konflikt ohne Abschluss: Es gibt kein sauberes „Zurück zu Euch“ nach Streit.
- Stress im Außen: Arbeit, Kinder, Pflege, Finanzen… – und das Paar hat keinen Schutzraum mehr. Die Beziehung wird zu einem „To-Do“ Punkt, ganz unten auf der Liste.
Daraus resultiert oft ein Muster, das in etwas o zu beobachten ist: Wenn Sicherheit fehlt, steigen Protest, Rückzug und/oder Abwehr. Das negative Muster (z. B. „ich dränge – du ziehst dich zurück“) wird stärker, während echte Verletzlichkeit weniger wird.
Ebene 2: Individuelle Faktoren – Coping, Grenzen, Selbstbild
Nicht jede unglückliche Beziehung führt automatisch zu einer Affäre – und nicht jede Affäre entsteht aus Beziehungsunzufriedenheit. Häufig spielen persönliche Faktoren eine zentrale Rolle:
- Emotionsregulation: Die Affäre dient als Betäubung gegen Stress, Einsamkeit, Scham oder Angst.
- Selbstwert-Strategie: „Ich will mich wieder lebendig/attraktiv fühlen“ – das ist zwar kurzfristig wirksam, langfristig aber zerstörerisch.
- Konfliktvermeidung: Statt Themen anzusprechen, wird ein Ausweg gesucht. Das führt häufig zu emotionaler Distanz und ist ein Symptom, das auf ein Vertrauensproblem hinweisen kann.
- Bindungsgeschichte/Verletzungen: Menschen mit früheren Bindungsbrüchen können Nähe ambivalent erleben (Sehnsucht und Angst zugleich).
- Entitlement/„Ich verdiene das“: Ein inneres Narrativ, das Grenzen unterläuft.
Wichtig hierbei ist zu verstehen: Erklärung ist nicht Entschuldigung.
Die Verantwortung für eine Affäre liegt bei der Person, die die Grenze überschritten hat – unabhängig davon, wie schwierig es in der Beziehung war.
Ebene 3: Kontext & Gelegenheit – wie Grenzen schleichend erodieren
Seitensprünge, Untreue und/oder längere Affären entstehen so gut wie nie durch einen„Entschluss“, sondern mit einer Kette kleiner Entscheidungen, die sich typischerweise über einen langen Zeitraum erstrecken. Kontextfaktoren können das Risiko erhöhen:
- Hohe Nähe im Arbeitskontext, Projektarbeit, Dienstreisen
- Digitale Kanäle (Chat, Social Media), die Intimität beschleunigen
- Alkohol/Feiern, „Ausnahmezustände“, fehlende Transparenz
- Fehlende Paar-Absprachen: Was gilt als Grenzverletzung? Was ist „harmlos“?
- Fehlende, offene Gespräche über Themen wie: „Was bedeutet Vertrauen für dich?“, „Wie stehst du zu Treue und Monogamie?“ usw.
John Gottman würde hier von „Slippery slope“ (ein Schlitterpfad bzw. eine gefährliche Entwicklung)) sprechen: Wenn keine klaren Grenzen existieren, wird das Unwahrscheinliche plötzlich möglich.
Was Paare daraus ableiten können um Seitensprünge und Affären zu vermeiden – 3 klare Konsequenzen
Wenn Sie Prävention ernst nehmen wollen, sind drei Bereiche entscheidend:
- Beziehung pflegen (für Kenner von John Gottman: Sound Relationship House -Stockwerke: Love Maps, Zuneigung und Bewunderung, einander zuwenden (Turning Toward) und die positive Perspektive).
- Konflikte sauber beenden: Reparatur, Time-out, Wiederannäherung – damit Nähe wieder sicher wird.
- Klare Grenzen definieren: Was ist erlaubt, was nicht? Und wie wird Transparenz gelebt?
Diese drei Konsequenzen sind nach aktuellem Forschungsstand als die stabilste Basis anzusehen, um gegenseitiges Vertrauen langfristig zu schützen.
FAQ zum Thema: Wie kommt es zu einer Affäre?
Ist eine Affäre immer ein Zeichen für eine „schlechte“ Beziehung?
Nein. Sie kann in jeder Beziehung passieren. Häufig gibt es jedoch vorher Warnzeichen wie Distanz, Stress, ausbleibende Reparatur oder unklare Grenzen.
Kann man einen Seitensprung bzw. eine Affäre verhindern?
Man kann Risiken deutlich reduzieren: durch regelmäßige Verbindung, klare Grenzen und vor allem durch gute Konflikt- und Reparaturkompetenzen – aber eine Garantie gibt es nicht.
Gibt es Warnzeichen, bevor eine Affäre beginnt?
Häufig ja: weniger Turning Toward (Bids werden übersehen), mehr Geheimhaltung (Handy, Chats), weniger Reparaturen nach Konflikten und eine zunehmend negative Perspektive. Das sind keine Beweise – aber klare Signale, Verbindung und Grenzen aktiv zu pflegen.
Sind emotionale Affären „weniger schlimm“ als sexuelle?
Nicht automatisch. In EFT ist die Verlagerung von emotionaler Nähe nach außen bereits ein Bindungsbruch; in der Gottman-Logik verletzt jede Form von Geheimhaltung und Exklusivität das Vertrauen. Der Schaden entsteht oft durch Verrat, Lügen und fehlende Transparenz – nicht nur durch Sex.
Passiert eine Affäre manchmal „aus Versehen“?
Selten. Meist ist es eine Kette kleiner Grenzverschiebungen („slippery slope“): privater Kontakt, zunehmende Intimität, Geheimnisse. Kontext erklärt Risiken – die Verantwortung für die Grenze bleibt dennoch bei der Person, die sie überschreitet.
Bedeutet eine Affäre, dass die Liebe weg ist oder die Beziehung vorbei?
Nicht zwingend. Manche Menschen empfinden weiterhin Bindung zum Partner und haben gleichzeitig eine Affäre – das macht es nicht weniger verletzend, aber es eröffnet die Möglichkeit für klare Aufarbeitung. Ob es weitergeht, hängt von echter Reue, Transparenz und konsequenter Wiederherstellung von Vertrauen ab.
Welche Rolle spielen Stress, Lebensphasen und Übergänge?
Eine große: Die Geburt eines Kindes, Krankheit, berufliche Überlastung oder Bauphasen reduzieren oft die Verbindung und erhöhen dadurch emotionale Versuchungen. Prävention heißt dann nicht „mehr Kontrolle“, sondern mehr Paar-Zeit, bessere Stressregulation und explizite Absprachen zu Grenzen – bevor Nähe anderswo entsteht.
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Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuter Gewalt, Suizidalität oder medizinischen Notfällen holen Sie sich bitte sofort entsprechende Hilfe.



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